Was passiert, wenn Kinder lernen, dass Angst kein Zeichen von Schwäche ist? In einer Linzer Volksschule widmeten wir die Einheiten in allen dritten Klassen einem besonders sensiblen Thema: der Angst. Dabei entstanden Momente, die zeigen, wie wichtig es ist, Kindern wirklich zuzuhören.
Stärke neu definieren
Zu Beginn des Workshops herrschte eine deutliche Zurückhaltung. Besonders viele Burschen vertraten die Ansicht, niemals Angst zu haben. In einem persönlichen Gespräch offenbarte sich jedoch die enorme Last hinter dieser Fassade. Ein Junge aus der Ukraine schilderte, wie er versucht, so stark wie sein Vater im Krieg zu sein. Die Angst um ihn ist so groß, dass es besonderen Mut erfordern würde, sie zu spüren und anzuerkennen.
Diesen Kindern den Raum für emotionale Entlastung zu geben, ihre Tapferkeit anzuerkennen und gleichzeitig zu vermitteln, dass Angst eine verständliche und wichtige Schutzfunktion erfüllt, ist eine Kernaufgabe unserer Arbeit. Stärke beginnt dort, wo die eigene Verletzlichkeit sein darf.



Gesehen werden als Durchbruch
Ein weiterer berührender Moment ereignete sich bei einem Mädchen, das bisher im Unterricht kaum in Erscheinung trat. Zum ersten Mal ergriff sie das Wort und thematisierte die Angst vor Menschen in ihrem Umfeld. Dieser mutige Schritt markiert einen Wendepunkt.
Das Angebot, Sorgen anonym aufzuschreiben, löste eine sichtbare Erleichterung aus. Das Kind strahlte über das ganze Gesicht – ein direkter Beweis für die Kraft des Gesehenwerdens. Wenn Kinder spüren, dass sie mit ihren Ängsten nicht allein sind und ehrliche Unterstützung erfahren, entwickelt sich eine neue Form der inneren Sicherheit.
Die Reise zum sicheren Ort
Zum Abschluss des Vormittags begaben sich die Schüler:innen in einer Meditation auf die Suche nach ihrem „sicheren Ort“. In ihren Zeichnungen hielten sie diese inneren Rückzugsorte fest. Plätze, an denen sie Ruhe finden und Kraft tanken können.
Diese Einheiten verdeutlichen die Wirkung des INNERversums: Wir bieten den nötigen Freiraum für emotionale Prozesse, die im dichten Lehrplan oft untergehen. Ein wertschätzendes Miteinander gelingt dort, wo jedes Gefühl seinen Platz haben darf und wir gemeinsam nach Lösungen suchen.



