Was passiert, wenn man fünf Minuten lang einfach nur spricht und das Gegenüber nur schweigend zuhört? Beim Besuch der 8Z des BORG Linz wurde das „Inquiry“ zum Schlüssel für vergessene Hobbys und neue Selbsterkenntnisse.
Die Kunst des aktiven Schweigens
Die Methode des Inquiries klingt einfach: Eine Person spricht fünf Minuten am Stück über das, was sie gerade bewegt. Die andere Person hört aufmerksam zu, nickt höchstens oder stellt eine kurze, passende Frage. Danach folgt der Wechsel. In einer Welt voller schneller Antworten und ständiger Unterbrechungen wirkt dieses Format oft wie ein kleines Wunder.

Komfortzone und Ventil
Die Rückmeldungen der Jugendlichen nach der Übung waren beeindruckend individuell. Während die eher stilleren Schüler:innen das Format nutzten, um bewusst aus ihrer Komfortzone herauszutreten, erlebten die „Vielredner“ eine ganz andere Erleichterung. Sie genossen den sicheren Rahmen, in dem sie fünf Minuten lang alles ungefiltert aussprechen durften, um sich danach wieder bewusst zurückzunehmen. Das Wissen, die Umgebung nicht zu überfordern, schafft Raum für Tiefe.
Wenn Hobbys wieder auftauchen
Besonders berührend war der Moment einer Schülerin, die durch das freie Sprechen einen „verborgenen Schatz“ hob. Mitten im Redefluss erinnerte sie sich plötzlich an ein Hobby aus dem letzten Sommer, das ihr enorme Freude bereitet hatte, im Alltagsstress aber völlig untergegangen war. Durch das bloße Aussprechen kam die Begeisterung zurück – ein kleiner Glücksmoment, der ohne diesen geschützten Raum vielleicht im Verborgenen geblieben wäre.
Das Urbedürfnis: Wahrgenommen werden
Wir alle sehnen uns danach, verstanden und gesehen zu werden. Auch wenn das Format für manche ungewohnt ist, bietet es die Chance, andere auf einer tieferen Ebene zu begreifen. Ein wertschätzendes Miteinander gelingt dort, wo wir einander den Raum schenken, einfach nur da zu sein und zuzuhören.



