„Kindheit im Dauerkrisenmodus“ – über dieses so wichtige wie aktuelle Thema diskutierten am 28. April 2026 Expert:innen im Wissensturm Linz. Im Rahmen der Podiumsdiskussion der Kinderfreunde Oberösterreich brachte Andrea Wurz, Leiterin des INNERversums, ihre Perspektive ein, die den Fokus konsequent auf die psychische Gesundheit und die Kraft stabiler Beziehungen lenkt, um Orientierung in unsicheren Zeiten zu geben.
Wenn die Anker sicher sind, finden Kinder Halt
Ob bei globalen Spannungen oder konkreten Krisenereignissen: Eltern müssen diese Themen oft auffangen und fühlen sich dabei häufig selbst allein gelassen. Ein zentraler Punkt der Diskussion war daher die Rolle der Bezugspersonen. Andrea betonte, dass in Beziehung und Verbindung bleiben die essenzielle Basis sind, um Halt zu geben. Wichtig ist – gerade wenn Kinder verängstigt sind – Gefühle zu erkennen, sie zu benennen und ehrlich sowie kindgerecht auf Ereignisse einzugehen.
„Leider gibt es kein Patentrezept“, schildert Andrea. „Manche Kinder wollen reden und verstehen, andere brauchen Stille oder körperliche Nähe. Allem gemeinsam ist jedoch, dass im Gespräch bleiben, dem Kind das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln und das Kind bewusst wahrzunehmen die verbindenden Elemente ist.“

Elternbildung als Kraftquelle
Angebote, wie Eltern sich informieren und stärken können, gibt es unzählige. Dennoch scheuen viele den Besuch von Bildungsveranstaltungen – oft aus Angst, dort nur zu hören, was sie „falsch machen“. Andrea bricht mit diesem Vorurteil:
„Elternbildung ist dazu da, Eltern zu stärken und ihnen Kompetenzen zu vermitteln, die das Leben leichter machen.“
„Ein entscheidender Aspekt ist hier der Stressfaktor innerhalb der Familie. Aktuelle Studien1 zeigen ganz klar: Eltern, die mehr Stress erleben, ermöglichen ihren Kindern oft mehr Bildschirmzeit – häufig als notwendiger Entlastungsmechanismus im Alltag“, erklärt Andrea.
Das Problem dabei: Mit steigender Bildschirmzeit und sinkender elterlicher Energie nimmt die Begleitung im digitalen Raum ab. Wer sich jedoch als Elternteil stärkt und lernt, mit dem eigenen Stress gesund umzugehen, gewinnt die nötige Kraft zurück, um den Medienkonsum der Kinder wieder aktiv und sicher zu gestalten. So schafft Elternbildung eine geschütztere Umgebung für das Kind – auch im digitalen Raum.

Augenhöhe statt Belehrung
Der Umgang mit Themen wie Social Media oder Krisennachrichten gelingt am besten auf Augenhöhe. Anstatt Dinge zu verteufeln oder „von oben herab“ zu erklären, brauchen Kinder und Jugendliche Räume, in denen sie ihre Gedanken und Gefühle ohne Scham teilen können. Ernst genommen zu werden und stabile Beziehungen zu Bezugspersonen zu haben, die wirklich zuhören, ist der wirksamste Schutz gegen Angst und Verunsicherung.
Zuversicht als Entscheidung
Zum Abschluss der Runde wurde ein Wort besonders wichtig: Zuversicht. Andrea sieht Zuversicht als aktive Haltung. In einer Zeit, die von Krisenmeldungen geprägt ist, müssen wir Kindern das Gefühl vermitteln: „Wir leben in einer Welt, die wir gemeinsam gestalten können. Diese Haltung gibt den Kindern die nötige Resilienz, um mutig in die Zukunft zu blicken.“

