Was passiert, wenn man 17 Jugendlichen einen Haufen LEGO-Steine gibt und sie bittet, ihre Emotionen zu bauen? In der Mittelschule St. Georgen ist die 3b mittlerweile in der dritten Runde der Jahresbegleitung – und der Besuch im INNERversum zeigte, wie tiefgreifend die Schüler:innen mittlerweile an ihren eigenen Lösungsstrategien arbeiten.
Ankommen in der Weite
Diesmal fand der Workshop nicht in der Schule, sondern direkt in den Räumlichkeiten des INNERversums statt. Es war ein ausdrücklicher Wunsch der Klasse. Schon beim Eintreten war spürbar: Der Raum macht etwas mit ihnen. Die Weite und die Atmosphäre sorgten sofort für ein Gefühl des Ankommens und Wohlbefindens. Ein idealer Nährboden für das, was folgte.
Emotionen begreifen mit LEGO
Das Programm des Workshops: LEGO. Die Aufgabe klang simpel, hatte es aber in sich: Begriffe wie Freude, Stress, Entspannung und Wut sollten gebaut werden. Romy und Co-Trainerin Julia beobachteten in zwei parallelen Gruppen Faszinierendes: Trotz der individuellen Ansätze landeten die Jugendlichen bei sehr ähnlichen, tiefen Reflexionen.


Zwei Wege, ein Ziel: Der Umgang mit der Wut
Besonders beim Thema Wut zeigten sich zwei beeindruckende Polaritäten, wie unterschiedlich wir Menschen funktionieren:
Der stille Anker: Ein Schüler baute auf seiner Grundplatte die Worte „RUHIG BLEIBEN“. Seine Erklärung: Er hat gelernt, dass Beleidigungen oder Schreien in der Klasse nicht gut ankommen und ihm selbst schaden. Sein Modell ist sein Training; sein bewusster Entschluss, in der Wut die Stille zu suchen.
Die Brüllschachtel: Ein Mädchen baute ein leuchtend oranges Rechteck. Ihre Idee: Wenn der Druck zu groß wird, braucht sie ein Ventil. Statt Menschen anzuschreien (was ihr später oft leidtut), nutzt sie ihre imaginäre „Brüllschachtel“. Da hinein kann sie so laut schreien, wie sie will, ohne jemanden zu verletzen.
Alles darf sein – Hauptsache gewaltfrei
In der gemeinsamen Reflexion wurde viel gelacht, aber auch viel gelernt. Die Erkenntnis der Gruppe war kraftvoll: Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“ im Umgang mit Gefühlen. Ob ganz leise oder ganz laut – jeder Lösungsansatz hat seinen Platz. Die einzige Bedingung, die im INNERversum zählt: Man darf dabei weder andere noch sich selbst verletzen.

