Was passiert, wenn Jugendliche im Schulalltag den Raum bekommen, ehrlich zu sagen, wie es ihnen geht? Im Oberstufen-Wahlpflichtfach „Psychologie und Philosophie“ entwickelte sich aus der Einstiegsrunde ein Moment der Erkenntnis.
Ankommen im Hier und Jetzt
In der Arbeit mit Jugendlichen ist das physische Erscheinen im Raum nur der erste Schritt. Viel wichtiger ist das psychische Ankommen. Um diesen Übergang zu erleichtern, diente ein „philosophisches Wimmelbuch“ als Wegweiser in die Innenwelt. Ein kunterbuntes Bild, auf dem sich jede:r verorten durfte: Wo stehe ich gerade?


Die endlose Treppe
Das Ergebnis war deutlich: Rund 90 Prozent der Jugendlichen fühlten sich massiv gestresst und vom aktuellen Leistungsdruck überfordert. Besonders ein Bild blieb hängen: Die Treppe. Mehrere Schüler:innen beschrieben ihre aktuelle Situation als ein permanentes Treppensteigen. Das Ziel ist zwar in Sicht, aber die Kraft lässt nach. Der Wunsch, einfach mal innehalten zu dürfen und sich einen Überblick zu verschaffen, schien in der Realität aus Tests und Prüfungen unmöglich.
Die stille Beobachterin
Die Lehrkraft verfolgte diese Runde aufmerksam aus dem Hintergrund. Die Reflexion der Jugendlichen löste eine Reflexion bei der Pädagogin aus. Im Gespräch nach der Einheit wurde klar: Die Offenheit der Schüler:innen hatte Eindruck hinterlassen. Es entstand der Impuls, sich im Lehrer:innen-Team besser abzusprechen, um Prüfungsphasen zu entzerren.
Fragen als Schlüssel
Diese Geschichte zeigt, wie wertvoll es ist, die Frage „Wie geht es dir?“ ernsthaft zu nutzen. Wenn Schule den Mut hat, innezuhalten und zuzuhören, verändert das die Atmosphäre. Ein wertschätzendes Miteinander beginnt dort, wo man die Belastung des anderen nicht nur sieht, sondern bereit ist, darauf zu reagieren.



